Mit dem Pferd zur Arbeit reiten
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„Dann reite doch einfach zur Arbeit“ – Als Reiter kann ich nur sagen: Bitte setzt euch kurz hin, wir müssen reden!

Last Updated on 17/03/2026 by CurleyInspire

Steigen die Spritpreise, kommt zuverlässig derselbe Vorschlag: Dann reit doch einfach zur Arbeit. Warum diese Idee in der Praxis erstaunlich viele Probleme hat…

Kaum steigen die Spritpreise, taucht er wieder auf: dieser eine Satz. Meistens ausgesprochen mit einem halben Grinsen und dem Gefühl, gerade eine besonders originelle Idee gehabt zu haben.

„Bei den Preisen kannst du dir ja bald ein Pferd kaufen und zur Arbeit reiten.“

Als Reiter hört man diesen Vorschlag erstaunlich oft. Und jedes Mal frage ich mich kurz, wie genau sich Menschen eigentlich das Leben mit einem Pferd vorstellen.

Die romantische Version scheint ungefähr so auszusehen: Ein Pferd frisst ein bisschen Gras, trägt seinen Menschen von A nach B und kostet gelegentlich ein paar Äpfel. Eine Art biologisches Fortbewegungsmittel mit eingebautem Allradantrieb.

Leider – oder vielleicht realistischerweise – funktioniert das Ganze ein kleines bisschen anders.

Ein Auto hat überschaubare Fixkosten: Versicherung, Steuern, Sprit, ab und zu eine Reparatur und alle zwei Jahre den TÜV. Ein Pferd dagegen hat Stallmiete, Heu, Kraftfutter, Hufschmied, Tierarzt, Impfungen, Ausrüstung und eine bemerkenswerte Fähigkeit, genau dann zusätzliche Kosten zu produzieren, wenn man gerade dachte, dieser Monat würde finanziell ruhig verlaufen.

Während ein Auto auf dem Parkplatz einfach nur herumsteht, wenn man es nicht benutzt, verursacht ein Pferd auch im „Standby-Modus“ Kosten. Jeden Tag. Bei jedem Wetter. Auch an Weihnachten.

Der TÜV kommt beim Auto alle zwei Jahre. Der Tierarzt kommt da definitiv öfter!
Der Hufschmied beim Pferd ungefähr alle sechs bis acht Wochen. Reifen braucht man beim Auto auch eher mal alle 2-4 Jahre. Stark abhängig davon, wie viel man fährt. Nicht so beim Pferd! Ganz gleich, ob es viel oder wenig bewegt wird, der Hufschmied kommt regelmäßig.

Und während das Auto seine Probleme wenigstens mit einer Warnleuchte ankündigt, äußern Pferde ihre Beschwerden oft subtiler. Ein minimal veränderter Schritt, ein leichtes Kopfnicken, ein Blick, der erfahrenen Reitern sagt: Irgendetwas stimmt hier nicht. Und wie der Zufall es will, kommen diese Anzeichen immer am Abend oder am Wochenende.

Spätestens dann beginnt die Phase, in der man den Tierarzt anruft – und sich gleichzeitig fragt, ob dieser vielleicht gerade dabei ist, seinen nächsten Sportwagen zu konfigurieren. (#neueGOT)

Doch selbst wenn wir die Kosten einmal ignorieren und den Plan ernsthaft verfolgen würden, taucht schnell ein sehr praktisches Problem auf: der Parkplatz.

Ein Pferd lässt sich nicht einfach acht Stunden vor dem Büro abstellen.

Es braucht Wasser.
Es braucht Futter.
Es braucht Platz.
Und idealerweise einen Unterstand gegen Regen oder Sonne.

Der Fahrradständer vor dem Bürogebäude ist also nur bedingt geeignet – auch wenn man da ganz prima ein Heunetz befestigen könnte.

Hinzu kommt ein weiterer Punkt, den viele Menschen unterschätzen: Pferde haben eine ausgeprägte Meinung zu ihrer Umwelt. Dinge wie Mülltonnen, Verkehrshütchen oder besonders verdächtige Pfützen können den Arbeitsweg spontan verlängern.

Aus einem zwanzigminütigen Ritt wird dann schnell eine kleine Expedition.

Und selbst wenn man es schließlich ins Büro geschafft hat, bleibt noch die Frage, ob der Arbeitgeber wirklich begeistert ist, wenn das gewählte Verkehrsmittel vor dem Haupteingang eine sehr natürliche Form der Parkplatzmarkierung hinterlässt.

Die Wahrheit ist natürlich: Reiter wissen sehr genau, dass Pferde keine günstige Alternative zum Auto sind.

Sie sind teuer.
Sie kosten Zeit.
Und manchmal auch Nerven
.

Aber sie sind eben auch etwas ganz anderes als ein Fortbewegungsmittel.

Ein Pferd ist kein Ersatz für ein Auto.
Es ist ein Hobby, eine Leidenschaft – und für viele Menschen ein ziemlich wichtiger Teil ihres Lebens.

Und genau deshalb hören wir uns den Spruch vom „günstigen Pendlerpferd“ auch jedes Jahr wieder an.

Wir lächeln kurz und gehen zurück in den Stall, zu dem mit Abstand teuersten Verkehrsmittel, das wir uns freiwillig ausgesucht haben.

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