Mein Weg zum Trainer C Einstieg in den Pferdesport, Voltigieren
Training & Ausbildung

Trainer C Einstieg in den Pferdesport, Voltigieren – Meine Erfahrungen, Hürden und Learnings

Last Updated on 02/01/2026 by CurleyInspire

Vielleicht stehst du gerade selbst an diesem Punkt. Du spielst mit dem Gedanken, den Trainer C zu machen –
aber irgendetwas hält dich noch zurück.

Vielleicht dein Pferd?
Vielleicht der Respekt vor Prüfungen?
Vielleicht die Angst, „nicht gut genug“ zu sein oder nicht ins System zu passen?

Ich kann dir diese Zweifel nicht nehmen. Aber ich kann dir sagen: Sie gehören dazu.

Der neue Trainer C ist kein leichter Umweg und auch kein „Trick“, um sich etwas zu sparen.
Er ist ein anderer Blickwinkel. Einer, der dich zwingt, Verantwortung, Pädagogik und Grundlagen ernst zu nehmen – unabhängig davon, wie gut du selbst reitest.

Wenn du bereit bist, dich darauf einzulassen, kann genau darin etwas sehr Wertvolles liegen.

Vielleicht ist dieser Weg nicht der richtige für alle. Aber vielleicht ist er genau der richtige für dich – jetzt.

Und wenn du am Ende nicht nur einen Schein in der Hand hältst, sondern mehr Klarheit über dich selbst, deine Arbeit und deinen Platz im Pferdesport – dann hat sich dieser Weg gelohnt.

Ich nehme dich mit auf meine Reise zum Trainer C und welche Hürden ich dafür überwinden musste.

Wie alles begann

Kennt ihr das?
Ihr stolpert über eine Anzeige oder lest etwas in einer Diskussion – und plötzlich denkt ihr:
WOW. Genau das will ich auch machen!

So ging es mir am 18. August 2025, als ich eine kontroverse Diskussion zum neuen Trainer-C-Einstieg im Pferdesport über Voltigieren las.

Meine Gedanken dazu waren eigentlich ganz pragmatisch.

Reiten kann ich aktuell mit meinem jungen, noch sehr unausbalancierten Pferd nicht.
Bis zum Zeitpunkt der Prüfung hätte ich ihn theoretisch vielleicht irgendwie durch eine Dressurprüfung „drücken“ können – aber im Springen? Eher nicht.
Ich habe bis heute nicht einmal einen passenden Dressursattel für ihn. 😄
Und ein Leihpferd kam für mich ehrlich gesagt auch nicht wirklich infrage.

Gleichzeitig spürte ich aber noch etwas anderes.

Ich möchte mich pädagogisch weiterbilden.
Und ich merke selbst sehr deutlich, dass ich hier noch ein Defizit habe – vor allem im Unterrichten von Kindern.

Bisher unterrichte ich fast ausschließlich Erwachsene oder Jugendliche.
Kinder sind aktuell (noch) nicht meine Zielgruppe. Und das, obwohl gerade sie enorm von Sitztraining profitieren und das Gelernte oft viel schneller umsetzen als Erwachsene.

Wenn dich das interessiert, habe ich dazu auch schon einmal ausführlicher geschrieben: Warum Teenager und Pferd oft nicht mehr zueinander finden und warum eine Sitzschulung die Beziehung retten kann.

Die Voraussetzungen abarbeiten

Für den neuen Trainer C gibt es einige Voraussetzungen. Mir persönlich fehlten noch das Longierabzeichen 5 und 4 sowie der Erste Hilfe Kurs.
Das Longierabzeichen 5 machte ich bereits im letzten Jahr. Wer hier mehr erfahren will. Hier findet ihr einen Guide, den ich geschrieben habe mit allem, was man dazu wissen muss: https://der-pferdeblog.de/pruefungsvorbereitung-ra-5-ra-4-longierabzeichen-la-5-und-la-4-dein-guide/

Es geht los! – Vorbereitungslehrgang in Dillenburg

Es geht los! – Der Vorbereitungslehrgang in Dillenburg

Am 02.12.2025 begann für mich der Vorbereitungslehrgang im Landesgestüt Dillenburg.

Zu Beginn mussten wir uns alle erst einmal anmelden.
Dort konnte man die Lehrgangsgebühr entweder bar bezahlen oder sich eine Rechnung zusenden lassen – ich entschied mich für Letzteres.

Anschließend ging es in den großen Seminarraum, wo wir begrüßt wurden.
Die Gruppe wurde in zwei Hälften aufgeteilt:

  • Eine Hälfte startete direkt mit dem Longieren
  • die andere absolvierte zunächst den schriftlichen Test

Meine Gruppe durfte zuerst zu den Pferden.

Der praktische Teil

Ich bekam Buddy, einen sehr netten Wallach.
Immer zwei Teilnehmer:innen teilten sich ein Pferd und mussten vorlongieren. Das Ganze wurde beobachtet und bewertet.

Bei mir lief eigentlich alles ganz gut.
Einziger Kritikpunkt: Ich hätte zu viel geschnalzt.
(Was ich selbst übrigens hasse – und was ziemlich sicher der Nervosität geschuldet war.)

Der schriftliche Test – weniger Drama als gedacht

Nach dem Longieren folgte der schriftliche Test.

Abgefragt wurden:

  • die Ausbildungsskala des Reiters
  • die Ausbildungsskala des Pferdes
  • Was ist eine Parade

Zusätzlich sollte man die einzelnen Punkte erklären, also zum Beispiel:

  • Was ist Takt?
  • Was bedeutet Losgelassenheit?

Hier ein kleiner Einblick in meine eigenen Notizen – völlig ausreichend für den Test:

  • Takt: Räumliches und zeitliches Gleichmaß aller Schritte, Tritte und Sprünge
  • Anlehnung: Stete, weiche und federnde Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul
  • Schwung: Übertragung des energetischen Impulses aus der Hinterhand über den schwingenden Rücken in die Vorwärtsbewegung
  • Geraderichten: Gleichmäßiges Gymnastizieren beider Körperhälften zum Ausgleich der natürlichen Schiefe
  • Versammlung: Umwandlung von Schub- in Tragkraft

Allein hier wurde mir wieder bewusst, wie wertvoll es ist, sich diese Grundlagen wirklich bewusst zu machen – und nicht nur „irgendwie zu können“.

Das Gespräch

Am Schluss ging es dann mit allen Ausbildungsleitern zu einem Gespräch. Es wurde gefragt, warum wir den Trainerschein überhaupt machen wollen, wie weit wir schon sind und wann wir vorhaben alles zu beenden oder noch irgendwelche Probleme haben. Der schriftliche Test und der praktische Test wurden hier ebenfalls durchgesprochen. Was war gut und was vielleicht weniger und wo es noch Verbesserungsbedarf gibt. Ganz zum Schluss sollten wir erzählen, wie wir die ersten 20 min mit einer Gruppe von Kindern verbringen, die gerade das erste Mal auf einem Pony- oder Reiterhof sind. Und dann gab es noch eine Abwandlung, wo Eltern und Großeltern mit dabei waren. Es gab darauf wirklich viele tolle Antworten. Ihr dürft euch selbst etwas dazu überlegen. Ich gebe hier bewusst keine Antwort an. 🙂

Zweifel, innere Widerstände und genau deshalb der richtige Weg

Je länger ich mich mit dem Trainer-C-Einstieg beschäftigte, desto mehr meldeten sich auch die Zweifel.

Bin ich überhaupt „gut genug“ dafür?
Passt das überhaupt zu mir und meiner Arbeit?
Und will ich mich wirklich noch einmal in ein System begeben, das ich in manchen Punkten kritisch sehe?

Gerade der Einstieg über das Voltigieren wurde ja im Vorfeld stark diskutiert.
Ich kann viele der kritischen Stimmen nachvollziehen – und trotzdem habe ich für mich gemerkt: Genau darin liegt eine große Chance.

Denn Voltigieren hat wenig mit „Turnen auf dem Pferd“ zu tun und sehr viel mit:

  • Körperspannung und Körpergefühl
  • Balance und Koordination
  • klarer Kommunikation
  • Verantwortung für Mensch und Pferd

Also mit all dem, was wir im Reiten ständig fordern – aber viel zu selten isoliert schulen.

Kein eigenes Prüfungs­pferd? Kein Ausschlusskriterium

Einer der größten Gründe, warum viele den Trainer C vor sich herschieben, ist das eigene Pferd.

Was, wenn es (noch) nicht so weit ist?
Was, wenn es gesundheitlich, altersbedingt oder ausbildungsbedingt nicht passt?

Genau hier war der Einstieg über Voltigieren für mich eine enorme Entlastung.

Ich musste mein Pferd nicht „prüfungsreif machen“.
Ich musste niemanden bitten, mir ein Pferd zu leihen.
Und ich musste auch nichts darstellen, was aktuell schlicht nicht stimmig gewesen wäre.

Stattdessen durfte ich zeigen, was ich wirklich kann:

  • Beobachten
  • Einschätzen
  • Anleiten
  • Verantwortung übernehmen

Und das fühlte sich ehrlich an.

Pädagogik statt Perfektion

Ein weiterer Punkt, der mich bewusst zu diesem Weg geführt hat, war das Thema Unterrichten.

Ich weiß, wie man sich bewegt.
Ich weiß, wie sich etwas anfühlen sollte.
Aber das verständlich weiterzugeben – vor allem an Kinder – ist eine ganz eigene Kompetenz.

Im Lehrgang wurde sehr schnell klar:
Hier geht es nicht darum, selbst perfekt zu sein.
Es geht darum, Menschen mitzunehmen, Sicherheit zu geben und Situationen einschätzen zu können.

Gerade für Menschen, die bisher vor allem mit Erwachsenen gearbeitet haben, ist das eine wertvolle – manchmal auch unbequeme – Erweiterung der eigenen Komfortzone.

Nicht entweder–oder, sondern sowohl–als-auch

Was mir im Laufe des Lehrgangs immer deutlicher wurde:
Der Trainer-C-Einstieg über Voltigieren ist kein Ersatz für Reitkompetenz – sondern eine Ergänzung.

Er zwingt dazu,

  • den Blick zu weiten
  • Grundlagen wirklich zu verstehen
  • Verantwortung nicht nur aus der Reiterperspektive zu denken

Und genau das macht ihn für viele so wertvoll – auch (oder gerade) für Menschen, die eigentlich aus dem Reiten kommen.

Für wen dieser Weg besonders sinnvoll ist

Aus heutiger Sicht würde ich sagen:
Der Einstieg über Voltigieren kann besonders gut passen, wenn du …

  • aktuell kein passendes Prüfungs­pferd hast
  • dein Pferd jung, krank oder in Ausbildung ist
  • dich pädagogisch weiterentwickeln möchtest
  • Kinder- und Nachwuchsarbeit besser verstehen willst
  • Grundlagen vertiefen möchtest, statt nur Lektionen abzufragen
  • nicht „irgendwie durch eine Prüfung kommen“, sondern wirklich lernen willst

Mein Fazit – (noch) ohne rosa Brille

War alles leicht? Nein.
War alles logisch aufgebaut? Auch nicht immer.
Habe ich mich zwischendurch gefragt, warum ich mir das antue? Definitiv.

Und trotzdem:
Ich würde diesen Weg wieder gehen.

Nicht, weil er der bequemste ist.
Sondern weil er mich gezwungen hat, genauer hinzuschauen – bei mir selbst, bei anderen Menschen und bei den Pferden.

Und vielleicht ist genau das der Punkt, an dem Weiterbildung wirklich beginnt.

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