Janina Budde - Warum mentale Stärke nichts mit Durchhalten zu tun hat
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Janina Budde – Warum mentale Stärke nichts mit Durchhalten zu tun hat

Last Updated on 06/03/2026 by CurleyInspire

Resilienz ist eines dieser Worte, das heute überall auftaucht – in Workshops, Führungstrainings und Social Media Posts. Meistens wird es als Synonym für „Sei stärker“, „Halte mehr aus“ oder „Funktioniere besser“ verwendet. Doch Janina Budde räumt mit diesem Narrativ auf: Resilienz ist kein dicker Panzer, den man hat oder nicht, sondern ein dynamischer Anpassungsprozess.

Resilienz entsteht im Tun

Stabilität beruht paradoxerweise auf Flexibilität – auf der Fähigkeit, sich im Sturm zu biegen, ohne zu brechen. Resilienz ist kein statischer Zustand, sondern sie entsteht:

  • Im Tun: Durch aktives Handeln statt passives Erleiden.
  • Im Reagieren: Durch die Antwort auf äußere Reize.
  • Im Neu-Ausrichten: Durch die Bereitschaft, den Kurs zu korrigieren.

Das bedeutet auch: Resilienz ist nie abgeschlossen. Es ist eine lebenslange Arbeit an der eigenen Anpassungsfähigkeit. Wer nur eine Strategie kennt, bricht schneller; wer nur einen Plan zulässt, gerät ins Wanken, wenn dieser nicht funktioniert..

Das Gerüst der inneren Stärke: Die 7 Säulen

Oft wird Resilienz als ein dicker Panzer missverstanden, den man hat oder eben nicht. Doch Janina stellte klar: Resilienz ist kein angeborenes, jederzeit abrufbares Persönlichkeitsmerkmal. Sie ist ein dynamischer Anpassungsprozess. Mentale Stabilität beruht paradoxerweise auf Flexibilität – auf der Fähigkeit, sich dem Sturm zu biegen, ohne zu brechen.

Um diesen Prozess greifbar zu machen, nutzt Janina das Modell der 7 Säulen. Sie sind das Fundament, auf dem wir stehen, wenn es wackelig wird:

  • Optimismus: Die Überzeugung, dass Krisen vorübergehen und man selbst Einfluss nehmen kann.
  • Akzeptanz: Die Realität annehmen, wie sie ist, bevor man handelt.
  • Lösungsorientierung: Den Fokus auf das „Wie weiter“ statt auf das Problem richten.
  • Selbstwirksamkeit: Das Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit.
  • Verantwortung übernehmen: Raus aus der Opferrolle – erkennen, dass man Teil der Lösung ist.
  • Beziehungsfähigkeit: Bindungen pflegen und Hilfe zulassen.
  • Zukunftsorientierung: Visionen und Ziele haben, die über den Moment hinausreichen.

Das Nervensystem braucht Kontraste

Eines der stärksten Bilder des Vortrags war der Transfer in den Reitsport: Dauerdruck erzeugt Abstumpfung. Jeder Reiter weiß: Wer ständig presst, wird irgendwann ignoriert. Das Pferd schaltet auf „Hintergrundrauschen“.

Genau so reagiert unser Nervensystem. Wenn wir permanent unter Spannung stehen, reagiert unser Körper nicht mehr differenziert. Ein guter Impuls lebt davon, dass danach Raum entsteht – für eine Antwort, für Verarbeitung und für Klarheit.

Stabilität durch Beweglichkeit

Mentale Stabilität beruht auf Flexibilität. Nicht auf Härte. Nicht auf Starrheit. Nicht auf „Ich ziehe das jetzt durch, egal was kommt“. Sondern auf Anpassungsfähigkeit.

Wer nur eine Strategie kennt, bricht schneller.
Wer nur einen Plan zulässt, gerät ins Wanken, wenn er nicht funktioniert.

Resilienz heißt nicht, nicht zu fallen. Resilienz heißt, Wege zu finden, wieder aufzustehen – anders, klüger, bewusster.


Pausen als strategisches Element

Wir behandeln Pausen oft wie einen Luxus oder eine Belohnung, die man sich erst verdienen muss. Doch biologisch ist das Unsinn. Auszeiten sind eine Notwendigkeit im Prozess. Ohne Entladung gibt es keine neue Kraft. Pausen sind stilistische Mittel: Sie setzen Akzente, machen Fortschritte sichtbar und schaffen Klarheit. Wer nie stoppt, verliert die Feinheit – im Reiten, im Führen und in der Entscheidungsfindung.

Dauerdruck erzeugt Abstumpfung: Die Biologie des Ignorierens

Eines der stärksten Bilder des Vortrags war der Transfer in den Reitsport. Dauerdruck erzeugt Abstumpfung. Jeder Reiter weiß: Wer ständig triebt/ presst, wird irgendwann ignoriert. Das Pferd schaltet auf „Hintergrundrauschen“.

Janina übertrug das auf unser Nervensystem:

Dauerdruck erzeugt Abstumpfung.

Wenn ich permanent treibe, reagiert das Pferd irgendwann nicht mehr.
Wenn ich permanent fordere, reagiert mein Umfeld (Mitarbeitern, Partnern, Tieren) irgendwann nicht mehr.
Wenn ich permanent unter Spannung stehe, reagiert mein Nervensystem irgendwann nicht mehr differenziert.

Ein guter Impuls lebt davon, dass danach Raum entsteht.

Raum für eine Antwort.
Raum für Verarbeitung.
Raum für eine Gegenfrage.

Das Nervensystem braucht Kontraste. Ständiges Pressen erzeugt Hintergrundrauschen.

Und vielleicht ist das der Grund, warum viele zwar sichtbar sind oder eine große Reichweite haben – aber nicht mehr wirklich gehört werden oder keine echte Relevanz oder Resonanz erzeugt wird.

Der „Raum“ als Lösung

Ein wirksamer Impuls braucht laut Budde zwingend einen Raum für die Antwort. Nur wenn nach einem Reiz Stille oder Entspannung folgt, entsteht Platz für:

  1. Verarbeitung
  2. Eine bewusste Gegenfrage oder Reaktion
  3. Echte Klarheit

Ressourcen: Im Sturm baut niemand neu

Resilienz entsteht nicht erst im Krisenmoment; sie wird vorher aufgebaut. In guten Zeiten müssen wir Vorsorge treffen und unser „stabiles Gerüst“ bauen:

  • Werte und Visionen festigen.
  • Vorbilder suchen.
  • Beziehungen pflegen und Strukturen etablieren.
  • Innere Klarheit entwickeln. Denn wenn der Sturm erst einmal tobt, greifen wir zwangsläufig auf das zurück, was schon da ist.

Embodiment: Dein Körper entscheidet mit

Ein zentraler Punkt von Janinas Arbeit ist das Embodiment. Resilienz ist nicht nur eine kognitive Entscheidung im Kopf, sie ist körperlich. Körperhaltung, Emotion und Handlungsspielraum hängen untrennbar zusammen. Wenn du dich klein machst, wird dein Handlungsspielraum kleiner. Wenn du dich aufrichtest, verändert sich neurobiologisch dein innerer Zustand. Resilienz ist kein Pflaster, das man auf Stress klebt. Es ist die Fähigkeit, wahrzunehmen, was gerade wirklich da ist – ohne es sofort wegzudrücken.

💡 Der Resilienz-Check: Ehrlich zu sich selbst

Resilienz beginnt mit Ehrlichkeit, nicht mit Optimierung. Nimm dir einen Moment Zeit für diese Aussagen. Welche davon fühlen sich für dich gerade stimmig an?

  • Normalerweise schaffe ich es irgendwie.
  • Ich bin entschlossen.
  • Ich kann Situationen aus mehreren Perspektiven betrachten.
  • Ich kann mich überwinden, Dinge zu tun, die ich eigentlich nicht machen will.
  • In mir steckt genügend Energie, um alles zu machen, was ich machen muss.
  • Ich finde öfter etwas, worüber ich lachen kann.
  • Ich mag mich.
  • Welche Aussage fühlt sich stimmig an?
  • Welche nicht?
  • Und noch wichtiger:
  • Welchen Skill hätte ich gern stärker?
  • Resilienz beginnt mit Ehrlichkeit.
  • Nicht mit Optimierung.

Welchen dieser Skills hättest du gern stärker? Erkenne an, was da ist. Das ist der erste Schritt zur neuen Stärke.


Lies auch: Wie du diese innere Stabilität nutzt, um durch das neurobiologische Bindungssystem einen „sicheren Raum“ für dein Tier zu schaffen, erfährst du im Deep Dive zu Anne Krüger-Degner.


Mein Fazit: Was ich aus diesem Vortrag mitnehme

Resilienz ist kein „Stärkerwerden“ im Sinne von Abhärtung. Es ist ein Beweglichbleiben.

  • Nicht Dauerdruck – sondern Impuls und Raum.
  • Nicht Daueranspannung – sondern bewusster Wechsel.
  • Nicht Wegdrücken – sondern wahrnehmen.

Vielleicht ist das die unbequemste Wahrheit: Resilienz beginnt nicht im Außen, nicht in der Optimierung der Umstände. Sie beginnt im ehrlichen Check-in mit sich selbst.

Oft denken wir, Resilienz sei ein Panzer, den man hat oder nicht. Doch Janina stellte klar: Resilienz ist kein angeborenes Persönlichkeitsmerkmal. Sie ist ein dynamischer Anpassungsprozess. Sie ist die Fähigkeit, nach Belastungen wieder in die eigene Kraft zu finden.

Janina stellte uns die 7 Säulen der Resilienz vor, die wie ein stabiles Gerüst für stürmische Zeiten funktionieren:

Lösungsorientierung: Den Blick nach vorne richten.

Optimismus & Akzeptanz: Ja sagen zu dem, was ist.

Selbstwirksamkeit & Verantwortung: Wissen, dass ich handeln kann.

Beziehungsfähigkeit & Emotionale Kompetenz: Verbunden bleiben mit sich und anderen.


💡 Dein Resilienz-Check für heute

  1. Impuls statt Dauerdruck: Wo in deinem Alltag drückst du gerade permanent? Lass mal kurz locker und schau, welche Antwort kommt.
  2. Pausen-Recht: Plane deine Auszeit heute wie eine wichtige Reiteinheit ein – sie ist Teil des Erfolgs.
  3. Körper-Check: Verändere deine Haltung für 60 Sekunden. Wie verändert das dein Gefühl zu deiner aktuellen Herausforderung?

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