Last Updated on 30/07/2026 by Martina Winnai
Jeder Pferdebesitzer kennt diesen Moment: Ein Blick auf das Bein genügt – es ist massiv angeschwollen, heiß und das Pferd zeigt Schmerz. Was umgangssprachlich oft als „Einschuss“ bezeichnet wird, ist medizinisch eine Phlegmone (Lymphangitis). Für jeden Pferdebesitzer ist es wichtig zu verstehen, was hier im Körper vorgeht, denn schnelles Handeln ist entscheidend.
Was ist eine Phlegmone?
Die Phlegmone ist eine akute, eitrige Entzündung des Unterhautbindegewebes. Auslöser sind fast immer kleinste, oft übersehene Hautverletzungen – sei es durch einen Tritt, einen Stich mit der Mistgabel oder die „Mauke“. Sobald Bakterien (meist Streptokokken) in das Gewebe eindringen und sich dort in einem luftarmen Milieu vermehren, setzt eine heftige Entzündungsreaktion ein, die das Lymphsystem überfordert.
Die Warnsignale
- Massive Schwellung: Das betroffene Bein wirkt oft wie ein „Elefantenbein“.
- Wärme & Schmerz: Das Gewebe ist warm, druckempfindlich und schmerzt.
- Lahmheit: Aufgrund der Schmerzen entlastet das Pferd das Bein.
- Allgemeinbefinden: Oft zeigen die Pferde Fieber, Appetitlosigkeit und Schlappheit.
- Zusätzliche Reaktionen: In starken Schmerzzuständen kann das Pferd schwitzen.
Erste Hilfe: Kühlen oder Wärmen?
Bei der Behandlung herrscht oft Unsicherheit. Der entscheidende Punkt ist der tierärztliche Rat. Hier ist ein Überblick, wie man die Maßnahmen unterscheiden kann:
| Maßnahme | Wirkung | Anwendung |
| Kühlen | Lindert Schmerz & reduziert die Hitze. | Besonders bei stark geschwollenen, heißen Beinen. |
| Wärme | Wirkt schmerzlindernd & fördert die Durchblutung. | Oft als spezieller Angussverband (z.B. mit Rivanol) nach tierärztlicher Absprache. |
Wichtig für die Praxis:
- Immer den Tierarzt kontaktieren: Eine Phlegmone ist ein medizinischer Notfall, der meist mit Antibiotika (z.B. Penicillin) behandelt wird.
- Ruhe: Das Pferd sollte geschont werden, um die Belastung zu verringern.
- Sauberkeit: Wunden müssen gründlich gesäubert und desinfiziert werden, um Infektionen vorzubeugen.
- Lymphdrainage: Nach dem Abklingen der Entzündung (erst wenn das Pferd fieberfrei ist) kann manuelle Lymphdrainage die Heilung unterstützen.
Prävention
- Tägliche Kontrolle: Untersuche die Beine deines Pferdes täglich auf kleinste Wunden.
- Tetanusschutz: Ein lückenloser Tetanusschutz ist essenziell, da Wunden an den Gliedmaßen ein hohes Infektionsrisiko bergen.
- Achtung: Unterschätze kleinere Wunden nicht, da sich daraus schnell ein „Einschuss“ entwickeln kann.
Wer aufmerksam ist und bei ersten Anzeichen sofort handelt, bewahrt sein Pferd vor chronischen Folgeschäden, der sogenannten „Elephantiasis“.





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