Last Updated on 01/06/2026 by CurleyInspire
Hilfszügel sind seit Jahrzehnten ein Bestandteil der Ausrüstung im Pferdesport und werden immer wieder kontrovers diskutiert. Für manche Reiter kommen sie überhaupt nicht infrage, für andere sind sie unverzichtbare Hilfsmittel. Die Wahrheit liegt – wie so oft – dazwischen.
Richtig eingesetzt können Hilfszügel eine sinnvolle Unterstützung sein. Schaden entstehen jedoch schnell bei falscher oder unsachgemäßer Anwendung. Entscheidend sind dabei immer der Zweck, die passende Auswahl, die korrekte Verschnallung sowie das Verständnis über die jeweilige Wirkungsweise.
Hilfszügel – Helfer und Unterstützung
Ein Hilfszügel ersetzt weder eine fundierte Ausbildung noch darf er das Pferd in eine bestimmte Haltung zwingen. Besonders in der Grundausbildung von Pferden, beim Voltigieren, beim Longieren sowie im Unterricht mit Reitanfängern kommen sie häufig zum Einsatz.
Vor allem unerfahrene Reiter profitieren davon, da Hilfszügel dem Pferd eine gleichmäßige Anlehnung geben können, wenn die Hilfengebung noch nicht ausreichend koordiniert ist.
Mit fortschreitender Ausbildung sollten Hilfszügel jedoch immer länger verschnallt oder schließlich ganz weggelassen werden.
Ausbindezügel vs. Korrekturzügel
Ausbindezügel geben dem Pferd einen Bewegungsrahmen, innerhalb dessen es eine konstante Anlehnung finden kann. Das Pferd hat die Möglichkeit, sich an das Gebiss heranzudehnen und sich daran abzustützen. Zu dieser Gruppe zählen beispielsweise Ausbinder, Dreieckszügel und Laufferzügel.
Korrekturzügel hingegen bringen das Pferd mechanisch in eine bestimmte Haltung, ohne eine echte, selbst erarbeitete Anlehnung zu ermöglichen.
Grundsätzlich gilt: Alle Hilfszügel schränken die natürliche Balancierfunktion des Halses ein. Daher sollten sie niemals im Gelände oder im Springparcours eingesetzt werden (Ausnahme: Martingal).
> Ausbinder

Einfache Ausbinder verlaufen auf beiden Seiten vom Sattel oder Longiergurt zum Pferdemaul und werden in die Gebissringe eingeschnallt. Sie bestehen meist aus Leder oder Gurtband und ermöglichen eine seitlich begrenzte Anlehnung.
Sie werden häufig beim Voltigieren, Longieren oder im Anfängerunterricht eingesetzt.
Vorteile:
- Klare Orientierung für das Pferd
- Gleichmäßige Verbindung zum Gebiss
- Reitanfänger können sich besser auf ihren Sitz konzentrieren
- Gute seitliche Begrenzung
Nachteile:
- Keine Dehnungsmöglichkeit nach vorne-abwärts
- Nicht für die Lösungsphase geeignet
- Bei falscher Verschnallung Gefahr von Blockaden im Hals oder zu starkem Druck im Maul
> Dreieckszügel

Dreieckszügel gehören zu den am häufigsten verwendeten Hilfszügeln. Sie werden mittig am Sattelgurt befestigt, verlaufen zwischen den Vorderbeinen zu den Gebissringen und von dort zurück zum Gurt. Dadurch entsteht die typische Dreiecksform.
Sie begrenzen das Pferd nach oben und ermöglichen gleichzeitig eine Dehnung nach vorne-abwärts.
Vorteile:
- Förderung der Dehnungshaltung
- Mehr Bewegungsfreiheit als feste Ausbinder
- Teilweise Nutzung des Halses zur Balance möglich
Nachteile:
- Zu lang verschnallt verlieren sie ihre Wirkung
- Viel geringere seitliche Begrenzung
- Pferd kann leichter auf die Vorhand fallen
> Laufferzügel

Der Laufferzügel ist ein vielseitig einsetzbarer Hilfszügel. Er wird seitlich am Longiergurt befestigt, verläuft durch den Gebissring und zurück zum Gurt.
Vorteile:
- Je nach Verschnallung für Lösungs- und Arbeitsphase geeignet
- Gute seitliche Führung
- Gutes
Nachteile:
- Erfordert Erfahrung in der Anwendung
- Longiergurt mit mehreren Ringen notwendig
> Martingal
Das Martingal besteht aus einem Halsriemen oder Vorderzeug mit einer Ringgabel, die zwischen den Vorderbeinen verläuft und am Sattelgurt befestigt wird. Die Zügel werden durch die Ringe geführt.
Es hat keine direkte Ausbinderwirkung, sondern greift nur ein, wenn das Pferd den Kopf stark nach oben reißt. Es wird vor allem beim Springen und im Gelände verwendet.
Vorteile:
- Keine dauerhafte Einwirkung
- Wirkt nur im Bedarfsfall
- Erhält weitgehend die natürliche Bewegungsfreiheit
Nachteile:
- Zu kurz verschnallt entsteht eine gebrochene Zügellinie
- Dauerhafter Druck auf Maul und Gaumen möglich
> Chambon
Das Chambon wirkt über Druck auf das Genick, wenn das Pferd den Kopf hebt. Je nach Verschnallung entsteht zusätzlich Zug auf die Maulwinkel. Es wird ausschließlich beim Longieren verwendet.
> Gogue
Das Gogue kombiniert die Wirkung des Chambons mit einer zusätzlichen Einwirkung auf das Gebiss. Es bildet ein Dreieck zwischen Brust, Genick und Maul.
Es gibt Varianten zum Longieren sowie ein geführtes Gogue zum Reiten. Aufgrund seiner starken Einwirkung gehört es ausschließlich in erfahrene Hände.
> Elastikausbinder / Halsverlängerer

Diese Hilfszügel bestehen aus elastischen Gummibändern, die über das Genick durch die Gebissringe zum Sattelgurt verlaufen.
Sie führen häufig zum gegenteiligen Effekt: Das Pferd arbeitet gegen den Zug, spannt den Unterhals an und entwickelt dadurch eine falsche Muskulatur.
Daher werden sie in der Ausbildung sehr kritisch beurteilt.
Häufige Fehler bei der Anwendung von Hilfszügeln
❌ Zu kurz verschnallt
❌ Einsatz in der Lösungsphase (z. B. bei Ausbindern)
❌ Verwendung ohne klares Ziel
❌ Ersatz für fehlende Ausbildung
❌ Einsatz im Gelände oder beim Springen (außer Martingal)
Fazit: Hilfszügel bewusst einsetzen
Hilfszügel sind weder grundsätzlich gut noch schlecht – entscheidend ist ihr Einsatz.
👉 Richtig angewendet können sie eine wertvolle Unterstützung sein.
👉 Falsch eingesetzt schaden sie mehr, als sie helfen.
Der wichtigste Grundsatz lautet daher:
So viel wie nötig – so wenig wie möglich.




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